Warum man in der Schule Programmieren (nicht) lernen sollte

Java als zweite Fremdsprache

So lautet der diskutierte Vorschlag vieler Autoren, die momentan ihre Meinung zum Programmieren in der Schule kund tun. Da Ich selbst Schüler bin und das Thema an eigenem Leib erfahre, möchte ich es hier im Speziellen für Deutschland aufgreifen.

Programmieren ab Kindesalter

Wenn es nach den Forderungen der Vertreter von Microsoft, Facebook und SAP geht, sollten Kinder bereits mit dem Programmieren beginnen.

Im Prinzip spricht nichts dagegen: Kinder lernen systematisches Denken, technische Algorithmen und den Transfer von alltäglichen Problemstellungen auf technische Ebene. Der entscheidende Punkt ist allerdings nicht, dass das Programmieren als eine Art der Problemlösung von einer bestimmten Personengruppe bejubelt wird, sondern viel mehr, dass es schon jetzt ein Bestandteil unseres Alltags ist. So weit entfernt Technik für manche Menschen scheint, so unmöglich ist es auch, ihr nicht zu begegnen.

Programmieren in der Schule

Der Zweck des Schulsystems ist die Vorbereitung auf das Leben. Dieses Leben, auf das Schüler vorbereitet werden, besteht – und wird es in Zukunft aus einem noch größeren Anteil – aus IT. In der Schule lernen wir nicht, dass der Mount Everest 8848 Meter hoch ist, weil wir es im späteren Berufsleben benötigen. Die Fachkenntnis ist eher das Mittel zum Zweck. Das abstrakte und allgemeine Verständnis systematischer Prozesse und Wechselwirkungen.

Wenn Kinder also Programmieren lernen, dann müssen sie nicht – wie es oft fälschlicherweise suggeriert wird – ihr Leben lang vor einem Bildschirm mit grünen Ziffern sitzen und mysteriöse Zahlenkombinationen eingeben.

„[…]Als Interessenwahrer für Europas kommende Generationen ist Ihnen sicherlich bewusst, dass Kinder bereits im frühen Alter ab 7 Jahre einen entscheidenden Punkt in ihrer Entwicklung erreichen, an dem sie die wichtigen Lebenskompetenzen Lesen, Schreiben und grundlegende Mathematik erlernen. Um allerdings in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft von morgen erfolgreich sein zu können, sollten sie zusätzlich auch das Programmieren erlernen.“

Offener Brief an die EU-Bildungsminister

 

Programmieren bedeutet mehr als nur Softwareentwicklung. Neben der Tatsache, dass der Bedarf an Softwareentwicklern weiterhin immens steigen wird, ist ein gewisses, technisches Know How notwendig, um in der Wirtschaft teilnehmen zu können.

Ich habe es schon oft erlebt, dass Ich technische Probleme schnell lösen konnte, da ich mir das Problem aus Programmsicht angeschaut habe und somit beurteilen konnte, wie dieser Fehler zustande kommen konnte. Um das Problem tatsächlich zu lösen, müssen wir keine Zeile Code schreiben, trotzdem müssen wir die Struktur verstehen. Mir hat das Programmieren in vieler Hinsicht Dinge erleichtert.

Programmier-Unterricht in Deutschland

Wenn man sich die gegenwärtige Situation des deutschen Schulsystems anschaut, dann scheint es zunächst unmöglich, diese Forderung durchzusetzen.

Keine Branche ist so dynamisch wie die IT. Anforderungen, Verfügbarkeiten und Verfahren ändern sich ständig.

Um wirklich gut Programmieren lernen zu können, müssen Lehrkräfte stets auf dem neuen Stand bleiben. Aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass dies – vor allem bei nicht naturwissenschaftlichen Fächern – nur in den seltensten Fällen geschieht. (Ausnahmen bestätigen die Regel!)

Der Aufwand ist immens. Aber er ist es wert!

Wer in der Wirtschaft bestehen will, muss nachfolgende Generationen auf die Zukunft vorbereiten.

Fazit

Die Zukunft aller Lebensbereiche liegt in der Informationstechnik. Als Industrienation sollte sich auch Deutschland dazu bekennen und die IT generell umfassender aufgreifen. Programmier-Unterricht ist eine gute Möglichkeit, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Eine Schulreform in Deutschland ist dringend notwendig, um die wirtschaftliche Bedeutung weiterhin aufrecht zu halten. Aus diesem Grund erachte ich den Programmier-Unterricht – auch für Kinder – als sinnvoll.

Programmieren ist nicht so abstrakt, wie es oft klingt. Schnelle Erfolgsergebnisse aber auch die Tatsache, durch Programmieren individuelle Probleme lösen zu können, sind durchaus ein Motivationsfaktor für Kinder.

4 Gedanken zu „Warum man in der Schule Programmieren (nicht) lernen sollte

  • Pingback: ugoArangino – Warum man in der Schule Programmieren (nicht) lernen sollte

  • 10 Januar, 2015 um 18:47
    Permalink

    Ich denke, man sollte das prinzip einer pgorammiersprache verstehen. Alles andere ist ne Spezialaisierung. Kinder sollten Neigungen entwickeln und ausbauen. Java also als AG oder Wahlkurs 🙂

    Antworten
  • 27 Januar, 2015 um 00:13
    Permalink

    Es entstehen aber nicht mehr Experten, wenn es in der Schule als „Pflichtfach“ eingeführt wird. Im Gymnasium gibt es so zum Beispiel das Wahlfach Informatik, wo auch Java gelehrt wird. Ein Kollege von mir besuchte das technische Gymnasium, da war der Java-Gehalt zwangsläufig höher.

    Gerade im Sektor des „2. Bildungsweg“ gibt es viele Spezialisierungen die den IT Bereich ansprechen wie z. B. die (Höheren) Berufsfachschulen mit Schwerpunkt Informatik oder die Höhere Berufsfachschule für Wirtschaftsinformatik in Saarbrücken.

    Möglichkeiten gibt es genug, Schüler zu zwingen bringt nichts. Sie müssen ihr Weg zu ihrem Ziel selber finden…

    Antworten
    • 31 Januar, 2015 um 15:01
      Permalink

      Es stimmt vollkommen, dass man die IT nicht erzwingen sollte, sodass am Ende eher eine Abschreckung als Motivation herauskommt.
      Es geht jedoch nicht darum, große Mengen an IT-Fachkräften zu „produzieren“, sondern eher darum, einen grundlegenden Einstieg anzubieten. Zusätzlich lernt man beim Programmieren neue Denkweisen, mit denen man digital umgeht.

      Es besteht nach wie vor der Fall, dass viele Schulen keinen Informatik Unterricht anbieten. Auf der anderen Seite hatte die Mehrheit der Informatikstudenten dieses Fach schon in der Schule.
      Bedeutet: Es werden insgesamt nur sehr wenige Schüler angesprochen, sich mit der IT zu beschäftigen. Oft liegt es schon am falschen Bild von Programmierern, das in den Medien suggeriert wird. Auch das würde durch den Unterricht gelöst.

      Jeannette Wing (Informatikprofessorin) geht noch eine Stufe weiter und fordert den Unterricht als Hauptfach neben Mathematik, Deutsch und Englisch. Sie hat zum Computational Thinking einen sehr interessanten Vortrag gehalten, der auf Youtube zu finden ist.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.